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Anthroposophie ist eine spirituelle Philosophie, die grundlegende Fragen des Menschseins reflektiert: unsere künstlerischen Bedürfnisse, den wissenschaftlichen Antrieb, sich zur Welt in eine klare Beziehung zu setzen und das Verlangen, ausschließlich auf der Basis des eigenen Urteils in Freiheit zu leben.

Es ist ein wolkenloser, sonniger, warmer Frühsommertag. Wir befinden uns auf einem langen Spaziergang, sind müde geworden, spüren unsere Muskeln und Gelenke, und die Gespräche sind fast verstummt. Nun reicht jemand ein frisches, kühles, mit ein wenig Kohlensäure angereichertes Mineralwasser! Schon die kalte Flasche lässt die Hand etwas kräftigerzupacken, auf der Zunge entsteht ein angenehmes Kribbeln, eine klare frische Säuerlichkeit verdrängt den faden Geschmack und die leichte Klebrigkeit im Mundraum, nach den ersten Schlucken hört man ein befreiendes „Aaah!“ und die Unterhaltungen setzen wieder ein. Es ist als ob die kleine Wandergesellschaft wieder wachgeworden ist und nun bewusst die Welt genießen und sich darüber austauschen kann.

Warum führen Waldorfschulen noch ganz selbstverständlich Klassenreisen durch? Warum leisten sie sich diesen enormen Arbeitsaufwand an Vorbereitung und die 24-Stunden-Tage der Begleiter während der Fahrten? Warum bringen die Eltern die zusätzlichen finanziellen Aufwendungen u.a. für Fahrtkosten, Ausrüstung, Kleidung auf? Worin liegen die pädagogischen Impulse für die Fahrten? Warum sind die sozialen Herausforderungen, die Grenzerlebnisse der Beteiligten so wichtig?

Bei der Frage nach dem Umgang mit Computern und Medien an der Waldorfschule erntet man oft ein tiefes Luftholen – und zum Schluss hat man dann doch keine einfache Antwort. Schnell wird deutlich, dass dieser Bereich kräftig in Bewegung ist. Wir stehen vor der Herausforderung, dass heute die Angebote der digitalen Welt selbst einem Laien oder Kleinkind in verblüffend einfacher Weise zugänglich gemacht werden. Eine besondere Ausbildung ist nicht mehr notwendig für die Bedienung von Computern und anderen Medien.

Die Waldorfpädagogik richtet sich allerdings nicht nach Machbarkeit oder der Befriedigung geweckter Bedürfnisse, sondern verfolgt den Ansatz, den Kindern altersgerecht die Welt erlebbar, begreifbar und auch in Freiheit verwandelbar zu machen.

Eltern wissen heute, dass jedes Kind für eine gesunde Entwicklung die ihm gemäßen Anregungen braucht, um weiter voranzukommen. Nicht nur die Ausbildung von in PISA-Tests nachprüfbaren Fertigkeiten gehören dazu, sondern emotionale Intelligenz ebenso wie Handlungskompetenz.
Bereits im Jahre 1907 hielt Rudolf Steiner Vorträge, in denen er die methodischen Ansätze der Anthroposophie auf die Erziehung des Kindes hin anwandte und so zu Forderungen kam, die für das damalige Schul- und Erziehungswesen revolutionär waren. Steiner geht von dem Gedanken aus, dass die Entwicklung des Menschen sich nach Leib, Seele und Geist in konkret nachvollziehbaren Stufen vollzieht.