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Klosterschulgelände mit Pavkl 1Ein schulgeldfreies, Waldorf-inspiriertes Kindergartenprojekt in Myanmar (Burma)

Noch 1948, als Myanmar seine Unabhängigkeit erlangt hatte, wurden seine Schulen zu den besten in Asien gezählt. Jahrzehntelange interne politische Konflikte, Bürgerkriege und eine von der Armee angeordnete Isolation haben jedoch dazu geführt, dass Myanmar heute zu den 30 ärmsten Ländern der Welt gehört. Dementsprechend zählen auch die Bildungsausgaben mit 0,8 Prozent des BIP (2011) zu den niedrigsten in den UN-Statistiken.

Seit dem Amtsantritt einer gewählten Regierung unter der Führung der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi im Jahr 2011 öffnet sich das Land für die Demokratie und versucht, die ererbten Probleme zu lösen. Die neue Regierung hat neben vielen anderen Reformen angefangen, die Bildungsprobleme, z.B. durch unterbezahlte, unqualifizierte Lehrer, wenig Ressourcen und alte, ungeeignete Lehrmaterialien, zu beseitigen. Ohne private und internationale Hilfe, wird diese Mammutaufgabe aber nicht bewältigt werden können.

In Myanmar gibt es drei Arten von Schulen, die Grundschulbildung anbieten: öffentliche Schulen, Privatschulen und religiös geführte Schulen. Die von buddhistischen Mönchen geführten Klosterschulen spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie bieten kostenlose Bildung und richten sich insbesondere an Waisenkinder oder Kinder aus armen Familien, die keine formelle Ausbildung bezahlen können. Grundlage des Lehrplans in den Klosterschulen ist das offizielle Staatscurriculum. Es gibt z.Zt. mehr als 1.400 Klosterschulen.

Bupaya complex Myanmar Burma

Im gesamten Bildungssystem herrscht eine Kultur des Auswendiglernens vor, die die Entwicklung des analytischen Denkens hemmt. Die Schüler gelten als Gefäße, die mit vorbestimmtem "Wissen" gefüllt werden müssen. Es ist wenig oder gar nicht wichtig, den Lernstoff zu verstehen oder diesen praktisch anwenden zu können. Kritisches Denken und eigene kreative Ideen werden nicht gefördert.

 

Mudita e.V.

Ein ehemaliger Waldorfschüler will diese Situation ändern. Markus Meier, ein Hamburger Heilpraktiker, der vor einigen Jahren zu einem buddhistischen Mönch ordiniert wurde und seitdem Bhante Mokkhita heißt, meint, dass die Herausforderungen der modernen Welt nur von selbstständig denkenden Menschen mit einer guten Bildung und einer Offenheit für das Geschehen in der Welt bewältigt werden können. 2016 gründete Markus den gemeinnützigen Mudita e.V. mit Sitz in Hamburg. In der Htet Eain Gu-Klosterschule am Inle See (Zentral Myanmar) hat er ein Projekt initiiert, dass den rund 250 Kindern im Kindergarten und der Klosterschule zukünftig Gesundheit, Geborgenheit und kostenfreie Bildung sichern soll. Was diese Möglichkeit für einzelne Klosterkinder bedeutet, zeigen die folgenden Äußerungen:

AA NAING AYE: "Ich bin 8 Jahre alt. Meine Eltern sind Reisbauern und können mich nicht besuchen. Hier habe ich einen guten Unterricht und lerne, ein guter Mensch zu sein."

NWE NWE TUN: "Ich bin 13 Jahre alt. Ich komme aus dem KaBwak-Dorf in der Stadt Shwe Bo. Die Aufgabe meines Vaters ist es, Lottoscheine in der Stadt zu verkaufen, und meine Mutter ist Hausfrau. Sie haben also kein Geld, um uns in eine reguläre Schule zu schicken, aber es ist in Ordnung ... Wenn ich groß bin, möchte ich Ärztin werden und den alten Leuten in meiner Heimatstadt helfen."

SANDAR TUN: "Ich bin Nwe Nwes ältere Schwester. Wir sind zusammen hier her gekommen. Ich war zehn und sie war acht Jahre alt. Unsere älteste Schwester starb, als wir jung waren, und die jüngste starb einige Jahre später. Vielleicht möchte ich deshalb eines Tages Arzt werden. Ich möchte Leben retten. Viele, viele Leben ..."

YAY KYAR: "Meine Eltern brachten mich im Alter von 10 Jahren hierher. Ich weiß, dass meine Eltern mich und meine Geschwister hierher gebracht haben, um eine gute Ausbildung zu erhalten. Sie möchten, dass wir eine Chance haben, eine bessere Zukunft zu haben. Wenn ich groß bin, möchte ich Lehrer sein."

NYI SEIN MYA: "Ich kam mit acht Jahren hierher und jetzt bin ich 12 Jahre alt. Meine Eltern sind Teebauern in meiner Heimatstadt im Shan-Staat. Zuvor hatte ich eine Klosterschule besucht und buddhistische Lehren gelernt, aber ich hatte den Wunsch, auch etwas über Wissenschaft und Geschichte zu lernen."

 

WaldorfpädagogikSchul Infopavillon kl 1

Wir bei Mudita glauben, dass Glück vor allem durch Frieden und Verständigung entsteht, und dass diese Qualitäten am besten erreicht werden können, wenn sie bereits in jungen Jahren verstanden und gelernt werden. Wir haben uns daher entschieden, als erstes Projekt einen Kindergarten zu bauen und auf der Grundlage der internationalen Waldorfpädagogik zu betreiben, denn Waldorfpädagogik bzw. die Anthroposophie und der Buddhismus haben viele Gemeinsamkeiten.

Rudolf Steiner selbst hat in einem Leitsatz die Anthroposophie skizziert als „Erkenntnisweg, der das Geistige im Menschenwesen zum Geistigen im Weltall führen möchte.“ Sie ist also die Anregung, einen Weg des Erkennens zu beschreiten, der gleichzeitig ein Weg der Selbstentwicklung ist; ein Weg, der die geistige Kraft im Menschen aktiviert. Hieraus ergeben sich wesentliche Gemeinsamkeiten zu dem „Herzstück“ des Buddhismus: dem achtgliedrigen Pfad, der den Weg weist, durch den sich der Mensch aus dem leidvollen Rad der Wiedergeburten (Samsara) lösen kann und einer weiteren irdischen Verkörperung nicht mehr bedarf. In einem Vortrag hat Anand Mandaiker, Priester der Christengemeinschaft, die Beziehung charakterisiert als: Es ist immer noch Buddhismus, aber Rudolf Steiner … (hat) ihn durch das Christentum auf die Weise (bereichert), dass es nicht darum geht, von dem Leid loszukommen, sondern es zu verwandeln. 1)

 

Klosterschulgelände kl 1

Htet Eain Gu

Nach langen und sorgfältigen Recherchen haben wir mit dem Abt des Klosters Htet Eain Gu eine Vereinbarung getroffen und eine 12,5 Hektar große Landspende in der Nähe des Ortes Nyaung Shwe am schönen Inle-See erhalten. Im Laufe des Projektfortschritts glaubten immer mehr Menschen an uns. Freiwillige aus der ganzen Welt strömten auf das Gelände, neue Spenden gingen ein und sogar die Einheimischen begannen, mit dem, was sie hatten, entweder durch ihre Arbeitskraft oder auch durch hunderte Blumensetzlinge als Geschenk für unseren Bio-Garten, uns zu unterstützen! Mit der Hilfe der Einheimischen, unserer Spender sowie Freiwilliger aus aller Welt haben wir gegen Ende 2017 begonnen, unseren Traum aufzubauen.

 

Erste Schritte eines langen Weges

In einem ersten Schritt wurde durch Spenden aus Deutschland, u.a. von der Aktion „Ein Herz für Kinder“, die Infrastruktur des Klostergeländes saniert. Erfahrene Architekten aus Thailand erstellten die Baupläne für die zu errichtenden Hauptgebäude. Alle Entwürfe basierten auf der Verwendung natürlicher, nachhaltiger Ressourcen. Als „Leuchtturm“ des Projektes für zukünftige Besucher wurde am Eingang des Klostergeländes ein Informationspavillon über das Projekt und die in Myanmar praktisch unbekannte Waldorfpädagogik errichtet. Große Felsbrocken aus der Umgebung des Klosters bildeten das solide Fundament. Für die Wände wurden aus dem vorhandenen Lehm und Stroh Lehmziegel selbst hergestellt und mit Lehm verputzt. Die Inneneinrichtung, Fenster und Türen wurden von den lokalen Handwerkern aus dem benachbarten Dorf bezogen. Volontäre gestalteten künstlerisch die Außenwände. Das Dach und die tragenden Stützen des Hauses wurden aus nachwachsenden, reichlich im Lande vorhandenen Bambusmaterialien errichtet, die befreundete Klöster aus der Nachbarschaft spendeten. Die tragenden Bambusstangen wurden zum Schutz vor Schädlingen und Schimmelpilzen mit traditionellen Verfahren präpariert, so dass ihre Lebensdauer voraussichtlich 50 bis 60 Jahre beträgt.

Einfachere Gebäude wurden für die medizinische Behandlung der Kinder, für Unterkünfte der Freiwilligen und der Hauslehrer, als Computerlernraum, für Sanitäreinrichtungen nach westlichem Vorbild und als Unterrichtsraum für (zunächst) eine Schulklasse errichtet. Daneben wurde eine Frischwasserleitung von einem nahen Bach in ein Wasserreservoir für den neuen Bio-Garten gelegt.

Unser Verein rekrutierte auch lokale Lehrerinnen und finanzierte für sie ein einjähriges Ausbildungsprogramm. Die Lehrerinnen absolvierten zunächst ein dreimonatiges Praktikum an der Hitakari School, dem ersten Waldorfkindergarten in Myanmar in Lashio. Es war eine sehr gute Gelegenheit für sie, an einer Waldorfschule zu arbeiten und ihre theoretischen Studien in der Praxis auszuprobieren. Danach sammelten sie weitere Erfahrung in dem Waldorfkindergarten im Kloster Aung Myae Oo in Sagain, in der Nähe von Mandalay, wo rund 2.500 Schüler leben.

Unser nächstes Ziel ist es, den vorhandenen Gemeinschaftsklassenraum, in dem 3 Klassen mit rund 100 Schülern nur durch einfache Sichtschutzwände getrennt sind, durch einfache, aber getrennte Klassenraumgebäude für jede einzelne Klasse der Schule zu ersetzen. Parallel dazu soll die Qualifikation der Betreuerinnen im Kindergarten und in der Schule in den Waldorferziehungsprinzipien verbessert werden. So soll Moe Thwe, eine der Lehrerinnen, Anfang 2019 für ein Praktikum drei Monate nach Deutschland kommen. Die Praktikumsstellen und Gastfamilien wurden bereits organisiert. Eine Waldorfschule in Hamburg und eine freie Schule in Heidelberg stellen die Praktikumsplätze zur Verfügung. Nach ihrer Rückkehr wird sie als Multiplikator ihr erworbenes Wissen an die anderen Lehrer weitergeben. Vor uns liegt noch ein langer Weg, aber wer nicht losgeht, kommt niemals an.

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Falls Sie für das Projekt Spenden wollen, ist hier das Bankkonto des Mudita e.V.:
Mudita e.V., Hamburg; Deutsche Bank Hamburg; IBAN: DE66 2007 0024 0106 6182 00, BIC: DEUTDEDBHAM

 

Abbildungen: Klosterschulgelände, der antike Bupaya Complex in Myanmar, Infopavillion der Schule, Klosterschulgelände

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